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Abstracts zu den Vorträgen

 

Vom arithmetischen Argumentieren zum algebraischen Denken

Prof.'in em. Dr. Lisa Hefendehl-Hebeker, Seniorprofessorin an der Universität Duisburg-Essen

Algebraisches Denken erfordert die Fähigkeit, sich mit Objekten unbestimmter Natur ("Variablen") auf analytische Weise zu befassen, sie also in ihrer Beziehung zueinander und zu bekannten Größen zu denken und zu untersuchen. Dazu ist der Übergang von einer operationalen zu einer strukturellen Sichtweise erforderlich. Dabei werden Terme nicht nur als Rechenanweisung aufgefasst, sondern als Bauplan, der Auskunft über Beziehungen zwischen Zahlen und Größen gibt. Diese Fähigkeit kann schon früh auf arithmetischer Ebene angebahnt werden, indem das Argumentieren mit Zählbeziehungen geübt wird. In ausgereifter Form hat sie viele Facetten, die unter dem Begriff "Struktursinn" (structure sense) zusammengefasst werden.

Im Vortrag sollen Entwicklungsschritte auf dem Weg vom arithmetischen Argumentieren zum algebraischen Denken thematisiert und an Beispielen aus der Unterrichtspraxis (Klassen 5-9) verdeutlicht werden.

 

VERA 8 und kompetenzorientierte Kernlehrpläne - für die Unterrichtsentwicklung nutzen

Prof. Dr. Gilbert Greefrath, Professor an der Universität Münster

Seit einigen Jahren gibt es in allen Bundesländern Vergleichsarbeiten (VERA) und kompetenzorientierte Kernlehrpläne. Diese Maßnahmen sind zusammen mit der Einführung von Bildungsstandards eine Reaktion auf die schlechten deutschen PISA-Ergebnisse. Aber das Potential, das in den Aufgabenbeispielen zu den Bildungsstandards und in den Ergebnissen von Vergleichsarbeiten steckt, wird häufig gar nicht genutzt.

Im Vortrag werden zunächst didaktische und schulpraktische Aspekte für die Erstellung kompetenzorientierter Aufgaben vorgestellt und Perspektiven für die Nutzung aufgezeigt. An konkreten Beispielen wird diskutiert, wie Vergleichsarbeiten eine gute Möglichkeit zur Diagnose von Leistungen der Lernenden bieten und einen Weg für eine sinnvolle Unterrichtsentwicklung aufzeigen können.

 

Basiskompetenzen

Was sollte jedeR am Ende der allgemeinen Schulpflicht in Mathematik können?

Prof.'in Dr. Christina Drüke-Noe, Juniorprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Weingarten

Um fachbezogene Mindestanforderungen zu konkretisieren, hat in Deutschland eine aus Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern sowie aus Lehrkräften bestehende Gruppe einen Katalog mathematischer Basiskompetenzen erarbeitet. Diese wurden vor ihrer Veröffentlichung mit Vertreterinnen und Vertretern der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) diskutiert und überarbeitet. Der Katalog beschreibt - unter Berücksichtigung empirischer Befunde und normativer Perspektiven - jene Kompetenzen, über die alle Schülerinnen und Schüler am Ende der allgemeinen Schulpflicht mindestens verfügen sollten. Der Katalog ist durch illustrierende Aufgaben ergänzt.

Im Vortrag werden der Arbeitsprozess und die mit Bezug zu den fünf Leitideen der Bildungsstandards (in Deutschland) formulierten Basiskompetenzen zusammen mit ausgewählten Aufgabenbeispielen vorgestellt. Zudem werden Bezüge zu der Diskussion um die Erreichung und Testung von Mindest- und Regelstandards in Österreich und in der Schweiz hergestellt. Der Vortrag schließt mit einer Benennung offener Fragen sowie Hinweisen auf zukünftigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf.